Die deutsche Hotellerie hat sich operativ zwar weitgehend von den Auswirkungen der Corona-Pandemie erholt, wirtschaftlich bleibt die Lage jedoch angespannt. Im Interview machen Otto Lindner und Markus Luthe deutlich: Die Branche befindet sich bereits im fünften Jahr ohne echtes Wirtschaftswachstum und kämpft weiterhin mit hohen Kosten, Bürokratie und unsicheren Rahmenbedingungen.
Obwohl die Nachfrage nach Hotelübernachtungen wieder steigt, reichen Auslastung und Zimmerpreise nicht aus, um die gestiegenen Kosten aufzufangen. Die Hotellerie liegt real weiterhin unter dem Umsatzniveau von 2019. Als größte Belastungen nennen die IHA-Vertreter:
Die dauerhafte Absenkung der Mehrwertsteuer auf Speisen auf sieben Prozent ab 2026 wird als gemeinsamer Erfolg der Branche bewertet. Besonders hervorgehoben wird dabei die intensive politische Arbeit der DEHOGA-Landesverbände, die maßgeblich zur Zustimmung der Bundesländer beigetragen habe. Ziel sei eine Angleichung an die steuerlichen Rahmenbedingungen in Europa und die Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit der Gastronomie.
Ein weiterer Schwerpunkt ist der anhaltende Rechtsstreit mit Booking.com. Nach mehreren gerichtlichen Entscheidungen sehen sich die Hotelverbände in ihrer Auffassung bestätigt, dass das Unternehmen gegen Kartellrecht verstoßen habe. Mittlerweile beteiligen sich europaweit rund 18.000 Hotels an einer Sammelklage. Ziel ist es, überhöhte Provisionszahlungen zurückzufordern und künftig faire Wettbewerbsbedingungen sicherzustellen.
Große Chancen sehen die Interviewpartner beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz. KI könne insbesondere mittelständischen Individualhotels helfen, Prozesse effizienter zu gestalten, Gästedaten besser auszuwerten, Lebensmittelverschwendung zu reduzieren und unabhängiger von großen Buchungsplattformen zu werden. Voraussetzung seien jedoch strukturierte Daten und eine konsequente Digitalisierung der Betriebe.
Die IHA unterstützt die gemeinsame Initiative des DEHOGA zur Flexibilisierung der Arbeitszeitregelungen. Nach Auffassung der Verbandsvertreter benötigen Betriebe und Beschäftigte mehr Gestaltungsspielräume, um moderne Arbeitsmodelle umsetzen zu können. Starre gesetzliche Vorgaben würden den Anforderungen der heutigen Arbeitswelt nicht mehr gerecht.
Auch beim Thema Nachhaltigkeit fordert die IHA praktikable Lösungen. Zwar bleibe nachhaltiges Wirtschaften ein zentrales Zukunftsthema, zahlreiche neue europäische Vorgaben seien jedoch mit erheblichem bürokratischem Aufwand verbunden. Der Verband setzt sich deshalb auf europäischer Ebene für praxisgerechte Regelungen ein
Quelle: ahgz-online.de
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