Die aktuelle Einschätzung von Petra Hedorfer, Vorsitzende der Deutschen Zentrale für Tourismus (DZT), im Interview mit der AHGZ (AHGZ Online…) liefert wertvolle Impulse für das Gastgewerbe. Die prognostizierte Entwicklung des internationalen Tourismus eröffnet insbesondere Hotellerie und Gastronomie neue Chancen. Nachfolgend haben wir die wichtigsten Aussagen, zentralen Kennzahlen und die daraus abgeleiteten Handlungsempfehlungen für sächsische Gastgeber zusammengefasst.
Die Aussichten für den Deutschlandtourismus bleiben positiv. Trotz internationaler Krisen werden für das Jahr 2026 steigende Gästezahlen erwartet – insbesondere aus Europa und den internationalen Wachstumsmärkten. Für Sachsens Hotellerie und Gastronomie ist das ein klares Signal: Wer sich jetzt auf internationale Gäste einstellt, kann nachhaltig profitieren.
Nach aktuellen Berechnungen wird für 2026 ein Wachstum der internationalen Übernachtungen von 2,6 Prozent aus Europa und 3,8 Prozent aus den Überseemärkten erwartet. Bereits heute stammen 77 Prozent aller internationalen Gäste aus Europa, gleichzeitig planen 8 Prozent mehr Europäer als im Vorjahr eine Reise nach Deutschland.
Mit 83,6 Millionen internationalen Übernachtungen im Jahr 2025 zählt Deutschland weiterhin zu den beliebtesten Reisezielen Europas. Besonders erfreulich: Der Deutschlandtourismus ist breit aufgestellt und damit krisenfest. Selbst der größte Quellmarkt – die Niederlande – steht lediglich für knapp 14 Prozent aller internationalen Übernachtungen. Die übrigen Top-10-Märkte liegen jeweils zwischen 3,5 und 8,3 Prozent.
Für Sachsens Gastgeber bedeutet das vor allem eines: Die größten Potenziale liegen direkt vor unserer Haustür. Gäste aus den Niederlanden, Polen, Österreich, der Schweiz, Belgien oder Skandinavien werden auch künftig den überwiegenden Teil der internationalen Nachfrage ausmachen.
Diese Märkte lassen sich vergleichsweise einfach erreichen – mit mehrsprachigen Internetseiten, einer unkomplizierten Online-Buchung, internationalen Zahlungsmöglichkeiten sowie einem herzlichen Service, der Sprachbarrieren abbaut.
Neben Europa gewinnen Fernmärkte wie die USA, China, Indien, Südostasien und Brasilien weiter an Bedeutung. Diese Gäste bleiben durchschnittlich zehn Tage in Deutschland – europäische Besucher dagegen 6,7 Tage.
Längere Aufenthalte bedeuten mehr Restaurantbesuche, höhere Übernachtungsumsätze, mehr Einkäufe und insgesamt eine deutlich höhere regionale Wertschöpfung. Gerade Sachsen kann hier mit seiner einzigartigen Verbindung aus Kultur, Natur, regionaler Küche und Gastfreundschaft punkten.
Die DZT beobachtet, dass internationale Gäste immer häufiger gezielt nach besonderen kulinarischen Erlebnissen suchen. Ob regionale Spezialitäten, gehobene Gastronomie, Weinerlebnisse oder authentische Wirtshauskultur – gutes Essen ist längst mehr als ein Nebenaspekt einer Reise. Es ist für viele Gäste ein entscheidender Reiseanlass.
Gerade hier liegen große Chancen für Sachsen. Unsere regionale Küche, hochwertige Produkte und die enge Verbindung zwischen Gastronomie, Tourismus und regionalen Erzeugern bieten beste Voraussetzungen, um internationale Gäste zu begeistern.
Ein klarer Trend zeichnet sich ebenfalls ab: Klassische Geschäftsreisen werden künftig kaum noch wachsen. Videokonferenzen, Homeoffice und veränderte Reisegewohnheiten verändern insbesondere den Städtetourismus.
Umso wichtiger wird es, Freizeitgäste gezielt anzusprechen. Deutschland gilt bereits heute als Kulturreiseziel Nummer 1 Europas und als Naturreiseziel Nummer 2. Davon kann auch Sachsen mit seinen Städten, Schlössern, Nationalparks, Weinregionen und der vielfältigen Gastronomie profitieren.
Ein weiteres Ziel der DZT ist die Verlängerung der Aufenthaltsdauer und die stärkere Vermarktung der Nebensaison. Mit der internationalen Kampagne „Stay Longer“ sollen Gäste motiviert werden, länger zu bleiben und Deutschland auch im Herbst und Winter zu entdecken.
Davon profitieren insbesondere Hotels und gastronomische Betriebe:
Obwohl die durchschnittliche Hotelauslastung 2025 bereits rund 70 Prozent betrug, bestehen deutschlandweit weiterhin erhebliche Wachstumspotenziale.
Internationale Gäste informieren sich fast ausschließlich digital. Deshalb werden aktuelle Informationen auf der eigenen Website, gepflegte Google-Einträge, hochwertige Fotos, Online-Buchbarkeit und mehrsprachige Inhalte immer wichtiger.
Auch Künstliche Intelligenz wird künftig Reiseentscheidungen stärker beeinflussen. Wer digital sichtbar ist, wird häufiger gefunden – und letztlich auch häufiger gebucht. Gleichzeitig bietet die von der DZT vorangetriebene Nutzung offener touristischer Daten und KI neue Möglichkeiten, die Sichtbarkeit deutscher Reiseangebote weltweit zu erhöhen.
Die Zahlen zeigen deutlich: Der internationale Tourismus entwickelt sich positiv und eröffnet auch für Sachsen neue Perspektiven. Jetzt gilt es, diese Entwicklung aktiv zu nutzen.
Internationale Gäste erwarten Gastfreundschaft, Qualität und authentische Erlebnisse – genau dafür steht das sächsische Gastgewerbe. Wer heute in Digitalisierung, Servicequalität, Regionalität und internationale Vermarktung investiert, schafft die Grundlage für langfristigen wirtschaftlichen Erfolg.
Axel Klein, Hauptgeschäftsführer des DEHOGA Sachsen, ordnet die Entwicklung ein:
"Die aktuellen Prognosen sind ein positives Signal für unser Gastgewerbe. Gerade Sachsen hat mit seiner einzigartigen Verbindung aus Kultur, Natur, Gastfreundschaft und regionaler Küche hervorragende Voraussetzungen, um internationale Gäste zu begeistern. Entscheidend wird sein, dass wir die Chancen jetzt gemeinsam nutzen – mit einer starken digitalen Präsenz, hoher Servicequalität und authentischen touristischen Angeboten. Jeder zusätzliche internationale Gast stärkt nicht nur unsere Hotels und Restaurants, sondern die gesamte regionale Wirtschaft."
Quelle: AHGZonline…
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